Die Idee des Utilitarismus stammt von Jeremy Bentham (1748-1832). Bentham war ein berühmter englischer Jurist, Philosoph und Sozialreformer. Seine Ethik fußt auf der Tugendethik des Aristoteles und spezifiziert diese im allgemeingültigen Sinne. Das Wort selbst klingt zunächst etwas sperrig, die Erklärung jedoch könnte simpler kaum sein: „Maximiere das größtmögliche Glück für die größtmögliche Anzahl an Menschen.“ Der Utilitarismus erteilt dem als egoistisch vermuteten Ansatz individueller Lustmaximierung der Hedonisten, geprägt durch die epikureische Philosophie, eine klare Absage (siehe hierzu mein Artikel im Blog).

In die Erwägungen, was mich selbst glücklich macht, werden möglichst viele andere Menschen, deren Bedürfnisse und auch die Folgen eigener Handlungen einbezogen.

Im Studium folgen dann hochkomplexe Berechnungen, deren Validität und Reliabilität äußerst umstritten sind. Denn Glück, Freude oder, wie der Ökonom es nennt, Nutzen, sind extrem schwer operationalisierbar, also messbar. Und was kaum zu messen ist, sollte man vielleicht auch gar nicht erst zu berechnen versuchen. Müssen Sie auch nicht. Denn die Implikationen erschließen sich glücklicherweise auch ohne einen Abschluss in höherer Mathematik.

Was also bedeutet der Utilitarismus für uns Autoliebhaber?

Nun, die meisten von uns genießen ihr liebstes Hobby gern allein oder in einem engen Kreis von Vertrauten. Sei dies nun die Frau, der beste Freund oder der Schrauber Kollege: Die Anzahl derer, mit denen der Autoenthusiast seine Liebe zum Auto teilt, ist zumeist höchst beschränkt. Dieses Verhalten ist kaum zu kritisieren, denn es ist viel zu typisch.

Doch wenden wir die Idee des Utilitarismus an, erkennen wir die klare Egozentrierung dieser Form des Glücks.

Lassen Sie mich dazu eine kurze Geschichte erzählen. Keine Sorge, es dauert nicht lang. Vor wenigen Tagen sahen sich drei Jungs meinen Mercedes G 63 AMG an. Sie waren so um die 14 oder 15. Dieses schöne Alter, in dem sich noch traut, Freude zu zeigen (warum hören wir damit nur jemals auf? Ach ja, der Neid….siehe mein Artikel zu Seneca). Die Begeisterung der Jungs ließ mich meinen Folgetermin mit Freude verschieben. Ich lud die drei spontan zu einer gemeinsamen Fahrt ein. Sie konnten es kaum fassen, die Fahrt war laut Aussage der Jungs eines „der tollsten Erlebnisse aller Zeiten“ gewesen. Und hier zeigt sich der wahre Nutzen des Utilitarismus: Dadurch, dass ich in meine eigenen Glückserwägungen auch die Freuden dieser mir völlig Fremden einbezogen habe, wurde auch mir ein Glück zuteil, welches ich allein in meinem G 63 nie gehabt hätte. Denn für mich sind außergewöhnliche Autos „normal“. Wäre ich einfach zu meinem Termin gefahren: Ich würde hier sicher nicht über diese Fahrt schreiben.

Damit integriert der Utilitarismus auf sehr sympathische Weise die egoistisch-hedonistische Perspektive. Denn der Wunsch nach Maximierung des Glücks der Anderen wird für mich selbst als resonantes Wesen nicht folgenlos bleiben. Auch für mich selbst, ganz egoistisch, habe ich mit der Erfüllung dieses Wunsches der drei Jungs ein unvergessliches Erlebnis geschaffen. Freude wird eben doch größer, wenn man sie teilt.

Hier daher ein kleines Plädoyer: So auch sie zu den Privilegierten zählen, die etwas haben, was sonst kaum einer hat: Behalten Sie es nicht nur für sich. Bedenken Sie vielleicht, dass Ihnen dieser Besitz nur zu Teil wurde, weil Sie wahrscheinlich einfach bessere Startvoraussetzungen im Leben hatten als andere. Das negiert nicht den Stolz auf das Erreichte, macht jedoch stets etwas demütig und dankbar. Und von diesem Besitz, dieser Freude, können Sie immer wieder ein kleines Stück abgeben und tun sich damit sogar selbst noch gut.

Hier gewinnen wirklich alle. Oder?